
Zaubermeister des Betons - Der japanische Architekt Tadao Ando begann seine erste Karriere im Profiboxsport. In den 60er Jahren bildete er sich autodidaktisch zum Architekten aus. Im Jahr 1969 eröffnete er bereits in Osaka sein eigenes Büro. 1995 wurde ihm der Pritzker-Preis für Architektur verliehen, der sogenannte Nobelpreis der Architektur.Fundamentaler Baustoff seiner Werke ist meistens ein besonders feiner, glatter und sich fast weich anfühlender Sichtbeton. Die Form der Schaltafeln in Form von Tatami Matten im Zusammenspiel mit den nachträglich geschlossenen Löchern für die Eisen zur Fixierung der Schaltafeln gegeneinander bilden die Textur der Oberfläche. Die Formensprache in Andos Architektur ist minimalistisch und setzt sich aus einfachsten geometrischen Grundformen zusammen. Auch in seinen Bauten auf europäischen Boden treffen japanische Traditionen und europäische Moderne immer wieder zusammen und bilden eine einzigartige Symbiose. Anfang der 90 er Jahre baute er für Vitra in Weil am Rhein sein erstes Gebäude außerhalb Japans. Dies kann auch Vorort im Rahmen einer Architekturführung von Besuchern näher erkundet werden. Dieses Bauwerk und all die anderen sind charakterisiert durch ein interessantes, oft auch sakrales Zusammenspiel von Beton, Holz, Licht, Raum und Natur. Räume gestaltet er nach dem Leitprinzip Finden zu sich selbst Teilweise sind die Bauwerke in Form eines Atriums ausgeführt, die ihr Licht über den Innenhof empfangen. Die Raummitte versteht er als Ort der Sammlung, der hellste Ort des Hauses. Die Helligkeit wird durch Lichtschlitze in den Wänden, über Lichtschächte oder Innenhöfe hineingeleitet. Der Eingangsbereich ist oft nicht sofort zu erkennen. Oft leitet er die Besucher durch schmale und geheimnisvolle Flure und gebogene Wegführungen in das Innere. Das Taschenbuch zählt zu einer ganzen Reihe schöner, gut verständlicher und besonders preisgünstiger Bücher zur Architektur, die vor allem den an Baukunst interessierten Laien oder Studenten mit schmalen Budget einen recht guten und übersichtlichen Einstieg zu den bedeutenden Architekten der Welt geben. Text und Bild stehen in einem ausgewogen Verhältnis zueinander. Alle wichtigen Bauten sind abgebildet und kurz beschrieben. Dazu zählen unter anderen:Haus Matsumoto in Ashiya (1976-1977), Haus Kidosaki in Tokio, Bigi Atelier Building in Tokio (1983), Time`s Building in Kyoto (1983-1984), Museum für Kinder in Hyogo (1989), Bahnhof von Kioto (1991), Kongresszentrum in Nara (1992), Japanischer Pavillon auf der Expo 1992 in Sevilla, Ayabe Community Center in Ayabe-shi (1993-1995), Meditationszentrum für die Unesco in Paris (1996), Toto Seminargebäude in Tsuna-gun (1996) und die Sonntagsschule in Ibaraki (1999), die Kirche des Windes, auf dem Wasser und die des Lichtes. Das kleine Taschenbuch macht neugierig auf tiefgreifendere Literatur zu Tadao Ando. - Christoph Erlemeier -