
Schön gestaltetes Standardwerk - Dieses Buch zeigt auf rund 100 sehr geschmackvoll gestalteten Seiten das Schaffenswerk des Architekten Richard Neutra (1892-1970).Das Buch wirkt schon beim ersten Ansehen hochwertig und schön aufgemacht. Durch das Buch zieht sich ein einfaches, aber ansprechendes Layout.Zu Beginn führt eine zehnseitige Einleitung in die Welt von Richard Neutras Schaffen ein, in der ein kurzer Einblick in Neutra s Denkweise, Philosophie und Arbeitsweise gegeben wird. Weiter geht es mit dem Hauptteil, der sich ausgesuchten Projekten und Häusern des Architekten widmet. Es werden bei weitem nicht alle gezeigt, und hier liegt auch eines der Mankos des Buches. Dazu aber im Fazit mehr. Die Zusammenfassung reicht von den Diatom-Häusern (1925), einem der ersten Pläne Neutras überhaupt, über das bekannte Lowell Health House in Los Angeles, das Vorreiter und Sinnbild für den kalifornischen Lebens- und Wohnstil wurde. Ganze sechs Seiten widmet sich die Autorin einem anderen bekannten Werk Neutras: Dem Kaufmann Desert House (1947). Bis zum Jahre 1966 führt die Chronik, die Projekte, die Neutra bis zu seinem Tod 1970 vollendete, werden nicht mehr erwähnt.Auf den Seiten 90 bis 95 findet man eine kurze Zusammenfassung von Neutras Leben und die gesamte Liste seiner Häuser und Projekte, sowie eine Karte Kaliforniens mit eingezeichneten Häusern.Sehr gut ist, dass auf der letzten Seite weiterführende Literatur abgedruckt ist.Und damit komme ich zum Fazit:Barbara Lamprechts Neutra ist vor allem als Geschenk für Architekturbegeisterte geeignet, die vielleicht noch nicht sehr viel mit Richard Neutra zu tun hatten.Dies ist auch das einzige Problem des Buches: Neutras Projekte werden oft nur angerissen, selten vertieft sich die Autorin in ein Thema. Somit ist dieses schicke, kleine Werk geeignet, um sozusagen einen Wissensgrundstein zu legen, allerdings nicht, um umfangreiches Wissen über den Architekten Richard Neutra großartig zu erweitern.
Architektur als Biorealismus Konzept - .. oder das Gestalten für ein besseres Leben. Er beschäftigte sich mit den Schriften Wilhelm Wendts und Gustav Fechners, dem Begründer der experimentellen Psychologie. Er sah Architektur auch als Medizin für Körper, Geist und Seele. Bevor ein Bauwerk entstand analysierte er genau anhand von Fragebögen, Lebenslauf und Gesprächen die Wünsche der Bauherren und untersuchte akribisch analysierend Bauplätze und deren Umgebung. Schließlich sollte das Bauwerk mit der umgebenden Natur korrespondieren. Innen und Aussen sollen eine Einheit bilden, da der Mensch ein naturverbundenes Lebewesen sei. Diese Ideen und Arbeitsweisen charakterisieren den etwas exzentrischen, österreich. - amerikan. Architekten Richard Neutra, der vor seiner Übersiedlung in die USA unter anderen bei Adolf Loos in Wien und Mendelsohn in Berlin gearbeitetet hatte. In den USA hatte er auch Kontakt zu Schindler und Wright. Seine Formensprache wurde enorm von seiner Begeisterung für die holländische De Stijl Bewegung und japanische Bauweisen (Leichtigkeit, Offenheit und Transluzenz)beeinflusst. Typisch sind ineinander greifende Baukörper, freier Grundriss, Schiebetüren und - fenster, raumhohe Glaswände und riesige Fensterflächen. Von Loos übernahm er in seine Architektur den Einsatz kostbarer, aber unverzierter Materialien und klare Flächengestaltung. Während der Wirtschaftskrise begeisterte er sich auch für die Herausforderung, für wenig Geld mit wenigen Materialien Bauten entstehen zu lassen, die von ungelernten Arbeitern in kürzester Zeit unter Berücksichtigung lokaler Traditionen errichtet werden konnten. Sein besonderes Interesse galt daher auch dem Fertighausbau (Stahlskelettbau und Holzständer- und Rahmenbauweise). Er schrieb zahlreiche Bücher, die sich philosophisch und theoretisch mit Architektur beschäftigten. Abgedruckte Zitate in diesem Bildband machen den Leser neugierig auf weitere Literatur. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen etwas über 20 Bauvorhaben und theoretische Planungen Neutras, z.B. Health House, Haus Kaufmann (s. Titelbild), Haus Bucerius oder das Klubhaus Eagle Rock Park. Auf den 96 Seiten dieses Bildbandes lassen sich natürlich nur wesentliche Informationen transportieren. Abbildungen sind teils SW (Originalzustand) und teils bunt. Innenaufnahmen lenken den Blick sofort auf die Einrichtungsgegenstände, von denen heute die meisten zu den Design - Ikonen des 20. Jahrhunderts zählen. Eine zeitlos moderne Architektur. - Christoph Erlemeier -